East Coast Australia – Teil II

Noosa

Noosa ist eine Region, in der sich ein Fluss mit einigen Windungen zum Meer schlängelt. Daher liegen einige Teile der Ortschaften am Wasser, was Noosa ein recht maritimes Flair verleiht. In meinem schönen, entspannten Hostel lernte ich unter anderem Juliane aus Deutschland kennen, mit der ich den Coastal Walk im Nationalpark unternahm. Ein schöner Weg schlängelte sich hier entlang der Felsenküste und zwischendurch konnte man in kleine Buchten absteigen und ein wenig schwimmen bevor es durch einen Eukalyptuswald zurück in die Stadt ging.

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Brisbane

Weiter im Süden gelangte ich dann in die erste richtige Stadt- Brisbane, Hauptstadt von Queensland. Und diese hat mir geradezu überraschend gut gefallen! Ich hatte keine großen Erwartungen, und Brisbane zeigte sich von seiner besten Seite! Eine entspannte, lebhafte Stadt mit schönen Parks, einem Fluss und des nachts bunt beleuchteter Skyline. Letztere konnte man prima vom kostenlosen City-Hopper-Boot betrachten und ich lies mich mehr als einmal im Dunkeln daran vorbeischippern.

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An einem Tag lief ich mal ein wenig die architektonischen Highlights ab, am anderen Tag stand das „Lone-Pine Koala Sanctuary“ auf dem Programm. In diesem Zoo leben einige Koalas ein entspanntes, eukalyptusreiches Leben, und hier ist einer der Orte, an dem man DAS Foto machen kann, ohne das ein Australienaufenthalt wohl kaum komplett wäre:

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Goldig! Neben den Koalas gab es hier allerdings auch noch eine ganze Menge anderes Getier, wie Vögel, Echsen und Kängurus.

 

Surfers Paradise

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Hinter diesem klangvollen Namen verbergen sich Wolkenkratzer an einem endlosen Strand. Kann man jetzt mögen- muss man aber nicht. Zu allem Überfluss war die kompletten drei Tage, die ich dort war, ausschließlich schlechtes Wetter, was sicherlich nicht dazu beigetragen hat, Surfers in besonders vorteilhaftem Licht erscheinen zu lassen… Einziger Programmpunkt hier: Party! Schon mittags wurden die Hostelbewohner emotional auf die „Backpackers big night out“ vorbereitet, einem Clubcrawl, wo man für vorab bezahlte 25 Dollar durch ein paar Läden gescheucht wurde. Das Ganze war zwar ganz lustig, allerdings jetzt auch nicht die Party of a lifetime. Zwei Nächte hier reichten voll und ganz und der nächste Halt war:

 

Byron Bay

Byron Bay ist eines dieser bekannten relaxten Küstenstädtchen, die noch viel relaxter wären, wenn sie nicht so bekannt wären. Zu Hippies Zeiten sagten sich hier noch Huchs und Fase nute Gacht, heutzutage reihen sich Bars, Clubs, Hostels und Supermärkte aneinander und Menschenmassen schieben sich durch die Straßen. Der Strand ist sehr schön, und es gibt eine Landzunge mit einem sehr dekorativen Leuchtturm.
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img_4343Das erste Hostel in dem ich mich eingebucht hatte war das Nomads, und ich kann mit Bestimmtheit sagen: das war das grässlichste Hostel in dem ich bislang untergekommen bin. Leider hatte ich gleich vier Nächte gebucht. Ich landete in einem ziemlich siffigen 10er Dorm mit lauter Engländern und einer Kanadierin. Das Hostel war groß und unpersönlich und einfach nur ein Betonklotz mit Innenhof. In diesem saßen dann ab nachmittags die weiteren fünf Millionen englischen Backpacker, spielten grölend die immer gleichen Trinkspiele und waren schon am frühen Abend sturzbetrunken. Das alles wurde übertönt von grausamer Musik, welche ab morgens um 10 in jedem öffentlichen Bereich des Hostels dröhnte und mit zunehmender Stunde an Lautstärke gewann. Irgendwann scheuchten die Mitarbeiter die Meute vom Hof und man zog los um in einem der Clubs weiterzutrinken. Ich lehnte dankend ab. Nach Wochen im Hostel merkte ich langsam aber sicher: ich brauch …‘ne Pause. Nach anderthalb Monaten East Coast wollte ich weder kampftrinkende Engländer sehen, noch zum Partymachen gezwungen werden. Leider war ich im Nomads dann absolut falsch. Nachts um vier kamen die Feiernden aus unserem Zimmer zurück. Die meisten gingen zügig ins Bett, aber einer war der Prototyp des Dormitory-Risikofaktors. Eine englische Hackfresse. Auf Drogen und sturzbetrunken zog er das voll Programm ab: „Heeeey ihr seid hier in ’nem Backpackers, und es ist doch grade mal 4… Paaarty!“ Daraufhin leuchtete er mit seinem Handy wild umher. Seine Kumpels ermahnten ihn kichernd, ich ermahnte ihn wütend… Selbstverständlich sind Versuche so jemanden ohne körperliche Gewalt zum Schweigen zu bringen aussichtslos, dies schied angesichts der Überzahl seiner Landsmänner jedoch aus. Gott sei Dank konnte es Ohropax schließlich für mich richten, und mir auch den anhaltenden Snooze-Kreislauf seines Handyweckers ersparen. Anouk, meine French-Canadian Verbündete, hatte weniger Glück. Solche Vorfälle sind extrem nervig, und nur ein Beispiel dafür, dass manche Leute einfach nicht genug Respekt gegenüber ihren Mitmenschen besitzen, um in einem Hostel zu funktionieren. In aller Regel jedoch klappt das erstaunlich gut, und dieser Vorfall war tatsächlich das extremste, was ich in Monaten des Reisens erlebt hatte. Der größte Teil der Backpacker war höflich, nett und rücksichtsvoll.

Neben einem Besuch des Cape Byron ist der andere Pflichtprogrammpunkt die Fahrt nach Nimbin. Nimbin ist ein kleiner Ort zwei Stunden im Landesinneren und ein Stück lebende Hippie Geschichte. Eigentlich gibt es überhaupt nicht viel zu sehen: eine Straße, die man in 5 Minuten ablaufen kann, in der sich ein Ramschladen, Headshop, Hippiemodengeschäft und Esoterikstand neben den nächsten reiht. Nimbin ist tatsächlich das Überbleibsel eines Hippie Festivals in den70ern. Ein paar der Gestalten schafften es wohl nicht mehr weg und gründeten beseelt vor Ort ihre Kommunen. Zunächst hielt man sich wohl mit dem Verkauf von Bastdeckchen und Batikröcken über Wasser, irgendwann entdeckte dann der Tourismus das Kuriosum für sich, und heute kommen die Leute vor allem wegen einem: der Kekse! Selbstverständlich ist Marihuana in Australien illegal, dennoch weiß wirklich jeder: in Nimbin kann man Haschkekse kaufen. Wie man sich da mit der Polizei geeinigt hat ist mir ein Rätsel- eine Polizeistation gibt es jedenfalls. Sowohl die freundlichen älteren Damen mit den Batikkleidchen als auch das junge asiatische Pärchen mit dem Schmuckstand informierten uns im Vorbeigehen raunend über weitere Angebote abseits der Auslage: von Keksen bis zum praktischen 5g Beutel Gras.
Bill Clinton würde an dieser Stelle jetzt wohl sagen: „Ich habe nicht runtergeschluckt!“, aber ich denke wie lassen Nimbin wohl besser jetzt mal Nimbin sein und wenden uns wieder Byron Bay zu…

Da ich vom Nomads die Schnauze voll hatte, zog ich mit meiner Zimmergenossin Anouk um ins YHA Cape Byron Hostel, welches um einiges entspannter und netter war! Unter anderem gab es hier kostenlose Fahrräder und wir unternahmen eine nette Radtour zu ein paar hübschen Stränden etwas weiter im Süden.

Unaufhaltsam näherte sich nun auch der 14. Dezember, mein Geburtstag. Einen Tag wie diesen irgendwo am anderen Ende der Welt zu erleben, fern von Freunden und Familie- das ist schon eigenartig! Normalerweise schmeiße ich immer eine Party bei mir zu Hause, hier wiederum kannte ich kaum jemanden. Mit Anouk und ein paar anderen ging ich in eine der beliebten Party Bars und wir hatten einen lustigen Abend, auch wenn er nicht besonders lang ging.

img_8565Das war auch besser so, denn für den nächsten Tag hatte ich mir einen Surfkurs gegönnt. Nachdem mein letzter Kurs nun Jahre zurück lag und es auf Flors kleinem Brett ja nicht recht gelingen wollte, hatte ich beschlossen, es unter optimierten Bedingungen jetzt noch einmal zu versuchen. In aller Frühe wurden Anouk und ich am Hostel abgeholt und fuhren an einen Strand am Rande der Landzunge. Hier herrschten geradezu ideale Lernbedingungen: die Wellen liefen so auf den Strand, dass man entlang der Landzunge rauslaufen konnte und quasi seitlich an der richtigen Stelle in die Brandung einsteigen konnte. Somit blieb einem das kräftezehrende Rauspaddeln weitestgehend erspart- hierbei verbrennt man als untrainierter Anfänger gerne mal ruckzuck den Großteil seiner Kraft, die man eigentlich braucht um die Welle zu kriegen! Dieser Umstand und auch die Tatsache, dass wir auf riesigen Schaumstoff-Longboards surften und zwei erfahrende Guides uns anleiteten waren so etwas wie ein Erfolgsgarant, und wir alle surfen viele Wellen stehend zum Strand. Das war wirklich ein schöner Morgen!

 

Yamba

Der nächste Halt auf meiner Tour war das verschlafene Örtchen Yamba. Dankenswerterweise in keiner Hinsicht assoziiert mit irgendwelchen „Spar-Abos“ liegt Yambas Stärke in den drei Surfstränden, die sich am Ende der Landzunge finden, und die Yamba laut Meinung der Einwohner zum eigentlichen „Surfers Paradise“ der East Coast machen. Das Hostel bot einen mit 15 Dollar geradezu spottbilligen Surfkurs an- allerdings nicht am Wochenende, und ich kam an einem Freitagnachmittag an. Blieb nur Option Nummer zwei: das kostengünstige Leihen eines Brettes für 10 Dollar. Am nächsten Morgen in aller Frühe zogen wir also mit einer größeren Gruppe surfwilliger Backpacker los und versuchten bei schönstem Sonnenschein die Wellen zu bezwingen. Dies gelang unter ‚Realbedingungen‘ zwar nicht mehr so gut wie im Kurs in Byron Bay, aber durchaus auch gar nicht so schlecht, auch wenn es freilich ganz schön anstrengend war. Ein absolutes Highlight war, dass in der  Brandung auch ein kleiner Schwarm Delphine spielte. So saß ich irgendwann in der Dünung auf meinem Brett und in nicht mal 3 Metern Entfernung schwammen die Delfine vorbei- bald vor mir, bald hinter mir. Was für ein Erlebnis- wirklich toll! „Surfen mit Delphinen“ konnte also nun auch von der Bucket-List gestrichen werden!
In Yamba merkte man auch sehr deutlich: das Weihnachtsfest rückte immer näher! Wie viele andere Hostels auch, hatte auch Yamba eine Weihnachtsfeier in Planung, und war über die Feiertage bereits ausgebucht. Viele Backpacker sind ja weit weg von daheim und natürlich bleibt man dann lieber in einem familiäreren, kleinen Hostel wie diesem, als neu in ein großes, unpersönliches anzureisen. Der Weihnachtsbaum stand schon, und manche Tür war weihnachtlich geschmückt. Alles in allem war es schon eigenartig zu wissen, dass in ein paar Tagen Heiligabend ist, wenn einfach nichts, was man sonst so mit der Weihnachtszeit assoziiert vorhanden ist. Weder Familie, noch nicht-Plastik-Weihnachtsbaum, kein Weihnachtsmarkt und ganz sicher keine weiße Weihnacht! Es folgte einfach ein warmer Sommertag auf den nächsten, während ich ab und zu ungläubig den Kalender checkte- meist, weil mir im Supermarkt ein deplatziert wirkendes Weihnachtslied den Anstoß dazu gab. Ich würde Weihnachten in Newcastle bei meinem Kumpel Greg und seiner Frau verbringen. Greg hatte ich vor 3 Jahren bei meinem ersten Backpackertrip in Hawai’i kennengelernt und wir waren in Kontakt geblieben. Bis dahin waren allerdings noch ein paar Tage Zeit, daher war mein nächstes Ziel zunächst:

 

Bellingen

Dieses verdächtig deutsch klingende Örtchen liegt etwas weiter im Inland und man wird mit einem Shuttle von der Greyhound Station abgeholt. Es war schön, mal etwas anderes zu sehen, als den üblichen tollen Strand, denn Bellingen liegt nahe an der Great Dividing Range, der Bergkette, die etwas zurückgesetzt entlang der Küste verläuft.
Das einzige Hostel am Platz war sympathisch, gemütlich und ziemlich hippie. Bei meiner Ankunft schlug mir erstmal esoterische Musik und der Geruch von Räucherstäbchen entgegen und ich machte Bekanntschaft mit den wenigen aber dafür umso schrägeren Gästen und Woofern (= work für accommodation). Erwähnenswert sicherlich hier die schweigsame Wooferin mit dem Schweißproblem, die offenbar auch ein psychisches hatte, denn meist stand sie starrend hinter irgendeinem Fenster und beobachtete das Geschehen, anstatt sich daran zu beteiligen. Die schlichtweg durchgeknallte Mittfuffzigerin, die tagsüber auffällig überdreht war und abends beim (Gott sei Dank bekleideten) Ausdruckstanz eindringlich mit der Luft sprach. Dabei hatte sie eine Fahne, die auch aus zwei Metern Abstand noch beeindruckend war. Oder der flamboyante Schwule, der zunächst mein einziger Zimmergenosse war. Lichtblick waren die zunächst einzigen drei normalen Gäste: eine Irin, ihre Cousine aus Kanada und eine Holländerin. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden und die nächsten Tage gemeinsam verbracht. So besuchten wir einen Nationalpark in den Bergen, wofür man allerdings noch 20km trampen musste. Zu viert kaum machbar, und grade als wir uns aufteilen wollten hielt der zahnlose Local Mickey mit seinem vermüllten Auto und nahm uns alle mit. Der Gute war durchaus ein wenig creepy, und die Mädels waren froh, dass sie mit ihm nicht alleine waren. So war das ganze jedoch eher lustig und bot einigen Stoff für Running Gags für die nächsten Tage…
Anderntags unternahmen wir eine Kajaktour auf dem örtlichen Fluss und gingen in klaren, kühlen Pools des Never-Never-Creeks baden. Hier gab es auch ein Seil an einem Baum, mit dem man sich von einem Hügel über den Pool schwingen konnte, was ziemlich Laune gemacht hat. Unterdessen waren auch noch ein paar mehr Backpacker eingetrudelt und nicht zuletzt mit Gitarre und Klavier hatten wir eine ziemlich lustige Zeit.

Nach einem kurzen Zwischenstopp in Port Macquarie, einem weiteren Küstenörtchen, traf ich schließlich bei Greg in Newcastle ein, wo ich ein paar entspannte, sommerliche Weihnachtstage verbrachte. Die Wiedersehensfreude war groß, und er und seine Frau zeigten mir Newcastle und die Region. So fuhren wir auch ins Hunter Valley, wo wir Wein-und Schnapsproben machten, und eine Runde Bälle beim „Aqua-Golf“ auf den See droschen.

Man kann wohl sagen, dass dies wirklich eines der ganz besonderen Dinge am Reisen ist: man trifft irgendwo auf der Welt Leute, versteht sich gut und hat nach einer Weile in den verschiedensten Winkeln dieser Erde Freunde, die man treffen kann, oder bei denen man sogar für ein paar Tage unterkommen kann. Sei das Flor in Hawai’i, Greg in Australien oder andere Leute, die ich sogar erst vor wenigen Wochen kennengelernt hatte, wie Christina mit der ich womöglich Neuseeland bereisen würde, oder Desmond aus Hong Kong, mit dem ein Treffen quasi abgemacht war.
Abgesehen davon, dass es schön ist, die Leute wiederzusehen, sind solche Verbindungen freilich auch höchst praktisch! Man hat einen Einheimischen, der die Gegend kennt, und wohnt bestenfalls auch noch kostenlos.

Um die Vorzüge solcher Kontakte auch dann zugänglich zu machen, wenn man an einem bestimmten Ort gar niemanden kennt, gibt es die App „Couchsurfing“. Hier erstellt der Nutzer ein Profil mit Fotos und Infos über sich und kann dann sowohl Reisende bei sich aufnehmen als auch Leute anschreiben, ob sie nicht Zeit und Lust hätten, ihn ein paar Tage bei sich aufzunehmen. Je nach Kapazitäten schläft man dann entweder tatsächlich auf der Couch, oder aber- wenn vorhanden- in einem Gästezimmer. Die Übernachtung ist kostenlos, allerdings ist der Sinn des Ganzen nicht nur einen billigen Schlafplatz zu haben, sondern auch in Interaktion mit dem Host zu treten. Das bedeutet, der führt einen ein bisschen rum, man zieht gegebenenfalls mit dessen Freunden mal um die Häuser und lernt sich etwas kennen. Wichtig ist natürlich, dass alle respektvoll miteinander umgehen und in der App bewertet hinterher sowohl der Host den Gast, als auch umgekehrt, wodurch man sich idealerweise einen guten Ruf als netter Mensch und guter Gast(geber) verdient und weitere Vermittlungen umso einfacher werden. Aller Anfang ist hier natürlich schwer, denn wer ein unbeschriebenes Blatt ist, kommt auch nicht so einfach unter. In Kalifornien hatte ich es ein paar Mal sehr kurzfristig versucht, was entweder zu Absagen führte oder versandete, daher hatte ich es aufgrund der ohnehin schwierigen Hostel-Situation dann erst mal auf Eis gelegt. Ein populärer Host aus San Francisco, den ich zufällig kennenlernte schieb mir eine persönliche Empfehlung in mein Profil, was immerhin ein Anfang war, wenn auch keine echte Bewertung.

Das große Finale meiner East Coast Tour sollte Sydney sein- und zwar zum Jahreswechsel, einer Zeit, zu der a) ohnehin alles Monate im Voraus ausgebucht ist, und b) die Hostels teilweise das Dreifache nehmen und einen 10tägigen Mindestaufenthalt ansetzen. Mit anderen Worten: eine definitiv inakzeptable Belastung des Budgets, nur um sich ein Feuerwerk anzusehen… für mich stand also fest: Sydney an Silvester würde für mich nur stattfinden wenn es mir gelingen würde, per Couchsurfing unterzukommen. Und hier sollte mir letzten Endes der Zufall in die Hände spielen! Carina hatte in Cairns einen Tauchkurs gemacht, und dabei auch ein Mädel aus Sydney kennengelernt, und sie schlug vor, die doch einfach mal zu fragen, ob ich nicht bei ihr unterkommen könnte. Ich nahm dankend an, und kurz darauf war es beschlossene Sache: ich würde vom 28.12 bis 6.1. bei Lisa in Sydney wohnen. Obwohl über Carina vermittelt, buchten wir uns über die App ein, denn auch Lisa war neu dabei und würde eine Bewertung gut gebrauchen können.

Neben Lisa hatte ich noch einen weiteren Kontakt in Sydney: Juliane, die ich in Noosa kennengelernt hatte, war ebenfalls dort und wohnte bei einer Freundin in Manly, einer angesagten Gegend an der Küste nördlich des Hafens. Lisa wohnte in Camperdown, was äußerst praktisch gelegen war, und sehr gut an die Öffentlichen Verkehrsmittel angebunden war, so dass man in einer halben Stunde vor der Oper stehen konnte.

 

Sydney

Was für eine Stadt. Sydney war für mich immer DIE Stadt in Australien! Eine Metropole- und das Opernhaus hatte mich fasziniert, seitdem ich als Kind das erste Bild davon gesehen hatte.

img_4581Daher war ich schwer gespannt und die Erwartungen waren hoch. Und um das gleich vorweg zu nehmen: sie wurden nicht enttäuscht! Sydney ist eine tolle Stadt. Rund um einen riesigen natürlichen Hafen gebaut hat sie vielerorts maritimes Flair. Gleichzeitig Wolkenkratzer wie jede andere Großstadt aber auch viele kleine Viertel mit deren ganz eigenen Charme. Viele Grünflächen und eine bunte Durchmischung von Wohnwelt, Arbeitswelt und Freizeitwelt sorgen für ein aufgelockertes Stadtbild und eine sicherlich hohe Lebensqualität. So fand ich sehr beeindruckend, dass an den unerwartetsten Orten Hallenbäder und Sportanlagen zu finden sind, die auch gut besucht waren. Die Innenstadt ist sauber, weitestgehend penner- und junkiefrei und wirkt gut organisiert- und sie besticht natürlich mit den zwei markanten Wahrzeichen: der Harbour Bridge und… dem Opernhaus.

img_4468Wow! Das Opernhaus das erste Mal „in echt“ zu sehen war schon etwas Besonderes! Architektonisch einzigartig, irgendwie immer noch modern, aber gleichzeitig auch unverkennbar retro- eine wunderbare Mischung! Malerisch thront es über dem Hafenbecken und bietet aus jeder Perspektive einen neuen, interessanten Anblick. Ähnlich wie die Golden Gate Bridge in San Francisco übte die Oper eine magische Anziehungskraft auf mich aus, und es verging kaum ein Tag, an dem ich mich nicht an ihrem Anblick gefreut hätte. Mit Juliane besuchte ich sogar eine Vorstellung! Echte Opern staden leider nicht auf dem Spielplan, daher sahen wir uns eine Beatles Show mit Band, Orchester und Solisten an, was schön und durchaus stimmungsvoll war.

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Die neun Tage in Sydney vergingen wie im Fluge! Lisa, meine Couchsurferin, hatte Urlaub, und viel Zeit mich etwas herumzuführen und so war ich entweder mir ihr oder mit Juliane, manchmal auch mit beiden zugleich unterwegs. So fuhr Lisa mit uns in den Royal National Park und zeigte uns die „Figure 8 Pools“ Gezeiten-Pools, die bei Ebbe ein beliebtes Fotomotiv sind. Leider war es bei uns eher diesiges Nieselwetter, aber Fotos haben wir natürlich trotzdem gemacht!

Ein andermal machten wir den Cogee-to-Bondi Walk an der Küste entlang und aßen am hippen Bondi Beach zu Abend. Natürlich haben auch die Innenstadt und die Hafengegend um die Oper einiges zu bieten. Wir liefen durch den Botanischen Garten und zu Mrs. Maquaries Point, und genossen immer neue Perspektiven auf die Oper und die Harbour-Bridge. Der Hafen in Sydney ist überraschend tief, daher kann hier praktisch alles überall lang fahren, und so liegt dann auch beinahe täglich ein anderes Kreuzfahrtschiff vis-à-vis mit der Oper, und damit quasi direkt in der Innenstadt.

Im Laufe der Tage wurde es immer voller in der Stadt und die Vorbereitungen auf die Silvesternacht wurden offensichtlich. Zäune und Barrieren wurden an strategischen Stellen platziert, um die Menschenmassen kanalisieren und Areale absperren zu können. Da das Feuerwerk rund um die Oper im Hafen sowie auf der Harbour-Bridge abgebrannt wird, waren die gefragtesten Plätze für die Schaulustigen die naheliegenden Grünflächen und Promenadenbereiche im unmittelbaren Umfeld der Oper und des Circular Quay. img_4526Wollte man sich das Spektakel vom Botanischen Garten oder Mrs. Macquaries Point ansehen, so musste man in den frühen Morgenstunden des 31.12. dort bereits in der Schlange stehen, und den ganzen Tag auf seinem erkämpften Quadratmeter Grünfläche ausharren. In der Sommersonne wohlgemerkt. Das kam für mich nicht in Frage- es musste auch anders gehen. Ab Nachmittags war ich auf einer Silvesterparty mit Grillen bei Julianes Freundin in Manly eingeladen, daher bot es sich an, am nördlich Ufer des Hafens einen Platz zum Feuerwerk-gucken zu finden, der dann zwar nicht unmittelbar unter den Raketen war, aber dafür eine gute Sicht auf Skyline, Oper und Brücke bot, und nach Möglichkeit auch lässig zwei Stündchen vor dem großen Showdown noch angesteuert werden konnte. Nach längeren Recherchen auf der NYE-Internetseite der Stadt und Gesprächen mit Lisa fand ich heraus: dieser geniale Platz existiert wirklich – und heißt Cremorne Point. Nach einem leckeren Fisch Barbecue verließen Juliane und ich also die Party und gingen etwa um 22:30 Uhr dort in Stellung. Natürlich war auch das Cremorne Reserve alles andere als Menschenleer, wir konnten uns jedoch noch ein Plätzchen auf einer kleinen Felsenklippe oberhalb einer Straße sichern, und somit sogar entspannt sitzend die Menschenmassen überblicken! Es hätte also kaum besser laufen können! Das Wetter war herrlich, die Stimmung gut und schließlich läutete ein wahrlich spektakuläres Feuerwerk das neue Jahr ein! Was für eine Show- man kennt sie ja ein wenig aus den Nachrichten vom Neujahrstag, doch diesmal waren wir live dabei! Aber seht selbst!

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Etwas, was ich in Sydney unbedingt besucht haben wollte, war „Die Schaukel“. Nicht dass ich da grundsätzlich besonders informiert wäre, aber es gibt eine bekannte Instagram Location, von der man ein Foto machen kann, wo man auf einer Schaukel vor die Kulisse der Stadt schaukelt. Eine kurze Internetrecherche ergab: die Schaukel steht im Dudley Page Reserve, einem Stadtteil in Küstennähe auf der Südseite des Hafens. Lisa war auch noch nie da gewesen und so fuhren wir mit dem Auto hin. Die Schaukel ist natürlich im Endeffekt Teil eines Kinderspielplatzes, und somit mussten wir erst mal einen Moment warten, bis sich ein paar Kinder müder gespielt hatten und die Schaukel freigaben. Ein anderes deutsches Gespann lungerte ebenfalls schon betont beiläufig an der Rutsche rum – die beiden warteten ebenfalls. Gemeinsam versuchten wir die Optimale Position und Perspektive zu finden, und auch wenn leider kein blauer Himmel war, ist das Bild eigentlich ziemlich cool geworden! In diesem Sinne: ich hab zwar kein Instagram, aber dafür das verdammte Foto…!

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Ansonsten erkundete ich die Stadt natürlich auch etwas auf eigene Faust. So ging ich über die Harbour-Bridge, besah mir den Hyde Park und die Kathedrale und ließ mich durch das Viertel „The Rocks“ treiben. Mit der Bahn fuhr ich für einen Tag in die Blue Mountains und wanderte dort einen anstrengenden Trail mit vielen Treppen und spektakulären Klippenwegen.

Am meinem letzten Tag zeigte mir Lisa noch den pittoresken Palm Beach im Norden der Stadt und zum Abschluss meines Aufenthaltes tranken wir Cocktails im Sydney Tower- nicht grade preisgünstig, aber dafür mit unbezahlbarer Aussicht auf die nächtlich beleuchtete Stadt von oben. Und das in alle Richtungen während man gemütlich in der Nähe der Bar sitzt- das gesamte Restaurant dreht sich nämlich in 80 Minuten einmal um die eigene Achse!

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Am nächsten Tag hieß es Abschied nehmen von dieser tollen Stadt- und natürlich von meinem netten Host Lisa. Das erste offizielle Couchsurfing Erlebnis hat uns beiden großen Spaß gemacht- und wird wohl nicht das letzte gewesen sein.
Auf also zu neuen Ufern- den Ufern von Neuseeland! Hierauf freute ich mich schon sehr! Zum einen sollte dieses Land ja wirklich etwas ganz besonderes sein, zum anderen war ich nach Wochen des von-Hotspot-zu-Hotspot-Busreisens nun endlich wieder mit dem Auto unterwegs! Die auf den Cookinseln grob gefassten Pläne waren unterdessen beschlossene Sache: Christina würde mich mit ihrem Minivan mitnehmen, und gemeinsam würden wir sowohl die Südinsel als auch die Nordinsel erkunden!
Aber davon beim nächsten Mal mehr!

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